Auf der Suche nach ganzheitlichen Stallkonzepten

Wie sind Haltungssysteme zu gestalten, damit diese den Attributen tierfreundlich, umweltgerecht, klimaschonend und verbraucherorientiert sowie wettbewerbsfähig gerecht werden? Dieser nicht ganz einfachen Aufgabe widmen sich aktuell zahlreiche Fachleute der Landesanstalten, Landesämter und Landwirtschaftskammern aus ganz Deutschland sowie weiterer Fachorganisationen wie der DLG und dem KTBL. In tierartspezifischen Gruppen finden seit etwa zwei Jahren regelmäßige Treffen statt, um denkbare Konzepte für den „Stall der Zukunft“ zu erarbeiten. Vorgestellt werden die Ergebnisse unter anderem auf der EuroTier 2021 in Hannover.

Ein wichtiges Ziel bei der Konzepterarbeitung ist, Denkanstöße von Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen für eine zukunftsfähige Tierhaltung in Deutschland zusammenzubringen und Lösungsansätze zu erarbeiten. Dabei sind diese durchaus als Kompromissvorschläge mit fachlichem Hintergrund für die bestehenden Spannungsfelder in der Nutztierhaltung zu verstehen. In einer eher emotional aufgeladenen Diskussion sind begründete, nachvollziehbare und belastbare Erkenntnisse für die Auflösung der Spannungsfelder im Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz enorm wichtig.

  • Im Bereich des Tierschutzes fokussiert sich die gesellschaftliche Kritik in erster Linie auf unerwünschte Eingriffe bei den Tieren oder auf Verletzungen des Bewegungsapparates und der Haut sowie auf baulich bedingte Verhaltenseinschränkungen.
  • Im Umweltbereich (Naturschutz, Wasserschutz und Klimaschutz) bezieht sich die Kritik auf zu hohe Nährstoffeinträge in den Boden und Gewässer durch Gülleausbringung und der Abluft aus den Tierhaltungsanlagen. Diese enthält Stäube, Bioaerosole, Ammoniak und eine Vielzahl von Geruchsstoffen. Stäube und anhaftende Bioaerosole können zu Atemwegserkrankungen und Allergien führen, Ammoniak trägt nach mikrobiologischer Umsetzung zu Nitrit und Nitrat zur Versauerung von Oberflächengewässern und Böden bei. Gerüche können Belästigungen in der Nachbarschaft von Tierhaltungsanlagen verursachen. Negative Umwelteffekte der Tierhaltung sind ein Problem der unzulänglichen Umsetzung von Emissionsvermeidungsstrategien und zeigen sich vor allem in Regionen mit hoher Viehdichte. Generell wird der mögliche Umfang einer betrieblichen Nutztierhaltung jedoch auch in Regionen mit geringer Viehdichte durch verschiedene rechtliche Rahmenbedingungen begrenzt oder erschwert.
  • Im Rahmen des Verbraucherschutzes steht neben der Lebensmittelsicherheit vor allem eine deutliche Verringerung des Tierarzneimitteleinsatzes aufgrund der Antibiotika-Resistenzproblematik im Vordergrund.

Zur EuroTier 2021 werden, wie vor zwei Jahren für den Bereich der Mastschweinehaltung, konkrete Stallmodelle erstellt, anhand derer die erarbeiteten Konzepte mit Fachbesuchern diskutiert werden können. Dabei werden auch die immissionsschutzrechtlichen Anforderungen berücksichtigt sowie eine ökonomische Bewertung der vorgeschlagenen Alternativen aufgezeigt. All dies fließt in die Gesamtbeurteilung der „Gesamtbetrieblichen Haltungskonzepte“ mit ein.