Tiefe Einblicke in die Praxis Big Data revolutioniert Tierhaltung

Big Data, "große Daten", ist leicht übersetzt. Mit dem Umsetzen ist es schon aufwendiger. Es geht um mehr als die rein quantitativ Aspekte. Das "Big" steht für dreierlei: Die Datenmenge, die Geschwindigkeit mit der die Daten entstehen und transferiert werden sowie die Vielfalt an Datenarten und -quellen.

Big Data hat das Potential für wesentlich mehr Effizienz in der Tierhaltung, muss aber selbst effizient realisiert werden. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stellt schnell fest: Es geht nicht darum Unmengen an Daten zu sammeln, sondern die "richtigen" Daten zu verwerten. Damit aus dieser banalen Regel eine geniale Idee wird, gilt für jeden Betrieb zu entscheiden, wie die (zukünftige) Betriebsstruktur aussehen soll. 

Mehrwert ist offenkundig 

So erfassen moderne Milchviehbetriebe das Verhalten und die Leistung des einzelnen Tieres und der gesamten Herde. Diese Daten sind für den Betrieb aus mehreren Gründen relevant. Das Bewegungs- und Fressverhalten lässt Rückschlüsse auf den (Gesundheits-) zustand der Tiere zu - idealerweise in Echtzeit. Mehr Datengeschwindigkeit geht nicht. Die Leistungsparameter wiederum bilden für alle Betriebe die eigentliche Erfolgskontrolle. Gerade Züchter verfügen mit den Daten von Herde und einzelner Kuh über einen beachtlichen Mehrwert. Die Datentypen - von der Bewegung bis zur qualitativen und quantitativen Milchleistung - verdeutlichen, was "Big" für die landwirtschaftliche Datenvielfalt bedeutet. 

Neuer Standard für Tierhalter

Valide wird dieses Wissen, wenn die Qualität und Verfügbarkeit der Daten auf die Betriebsziele ausgerichtet sind. Angesichts der Datenmenge stellt sich rasch die Frage: Wohin damit? Ob interne Speicher oder die Cloud die richtige Lösung darstellen, muss jeder Betriebsleiter selbst entscheiden. Für die Cloud-Lösung spricht, dass Lieferanten, Landwirte und Abnehmer, vertraglich geregelt, die Daten einfacher teilen können. Erste erfolgversprechende Markenfleischprogramme vertrauen auf dieses Prinzip. Was bislang in einzelnen Projekten geschieht, dürfte nach Ansicht vieler Experten sich bald zum Standard in der Tierhaltung entwickeln. Die EuroTier 2018 als Weltleitmesse für Tierhaltung-Profis zeigt mit Ihrem Leitthema "Digital Animal Farming" die Zukunft der Tierhaltung.

Beratung ist angesagt 

"Mit weniger Aufwand mehr erzeugen", ist laut DLG-Präsident Hubertus Paetow der wichtigste Grund für Big Data in der Tierhaltung. Die neue Technologie eröffne zunächst mal einen Nutzen: "Für die Fachorganisation DLG ist es wichtig, den Berufskollegen zu zeigen, in welchen Bereichen und unter welchen Vorausetzungen der Nutzen die Gefahr überwiegt", erläutert Paetow. Landwirtschaftliche Praktiker sind nach Ansicht des DLG-Präsidenten beim Einstieg in Big Data auf Berater und Dienstleister angewiesen. So sei für die Landwirte möglich vollkommen neue Korrelationen mit den vorhandenen Daten zu erstellen. Als Landwirt erwarte er von Big Data "einen tieferen Einblick in das was ich tue und die Möglichkeit das nach außen transparenter darzustellen". 

Investitionen in bestehende Anlagen oder Stallneubauten kommen heutzutage nicht mehr ohne leistungsfähige IT-Infrastruktur aus. Deren Umfang und Qualität sollte darauf ausgelegt sein große Datenmengen erfassen und vor allem verarbeiten zu können. 

Big Data - Qualität und Leistung fördern 

  • "Big" sind Datenmenge, Tempo der Erfassung/Übertragung und Datenvielfalt 
  • Mehrwert und Validität auf Einzelbetrieb abstimmen
  • Beratung für Einsteiger obligatorisch 
  • Big Data-Investitionen in bestehenden und neuen Anlagen einplanen 

 

Es geht nicht darum Unmengen an Daten zu sammeln, sondern die "richtigen" Daten zu verwerten. (Foto: Pixabay)