Die Liebig-Tonne neu gedacht Digital Animal Farming schont Umwelt

Kluge Tierhalter wussten es schon immer: Viel Leistung aus dem Grundfutter rechnet sich. Die goldene Regel der Milchviehbetriebe ist zur mittelbaren gesetzlichen Forderung aufgestiegen. Die mit wenig Euphorie begrüßte Düngeverordnung treibt diese Entwicklung.

Input und Output der Nährstoffe müssen in Balance sein. Wer viel aus dem Grundfutter holt, tut sich mit seiner verpflichtend ausgeglichenen Nährstoffbilanz leichter. Genauer betrachtet ist die Düngeverordnung nichts anderes als eine gesetzlich geregelte Kreislaufwirtschaft.  Über einzelne qualitative und mengenmäßige Aspekte lässt trefflich streiten. In der Praxis unbestritten ist, dass mit der neuen Regelung für einzelne Betriebe und ganze Regionen nun klar wird, welche Nährstoffströme tatsächlich fließen. 

Für die Dokumentation hat der Aktenordner in Profibetrieben ausgedient. Viel zu umständlich und erst recht nicht tauglich, um daraus eine Strategie zu entwickeln. Digitale Instrumente verknüpfen einzelne Infostränge quasi zu einem Gewebe an Wissen, dessen Webfehler sich mittels digitaler Darstellung leicht erkennen lassen. So einfach die Diagnose, so schwierig gelegentlich die Therapie. Die mit der staatlich verordneten Nachhaltigkeit angeordnete Kontrolle bringt zusätzlichen Druck. 

Der Begriff „Kreislaufwirtschaft“ macht klar, dass es nichts nutzt, nur an einem Punkt in den Abläufen etwas zu ändern, da ein Kreis nun mal rund ist und kein Anfang oder Ende hat. Weniger bildlich gesprochen: Digitale Kontrolle und Steuerung müssen direkt aufeinander abgestimmt sein.

Konkretes Beispiel: Die Zusammensetzung der Gülle wird selbstverständlich im Labor geprüft, die Daten fließen online in das betriebliche Dokumentations- und Steuerungssystem. Ein Gegencheck im Betrieb via Schnelltest muss ebenfalls sein. Signifikante Abweichungen gilt es sofort zu klären. Das ist nicht mehr mit Rechenstift und Papier, sondern nur noch mit „Digital Animal Farming“ - dem Leitthema der EuroTier 2018, möglich. 

Der digitale vernetzte Tierhaltungs-Betrieb geht schonender, sprich gezielter, mit den natürlichen Ressourcen um. Das nutzt der Umwelt und spart Aufwand. Das ist Nachhaltigkeit, die sich rechnet. 

In der digitalen Kreislaufwirtschaft können Betriebskennzahlen wie täglicher Zuwachs, Milchleistung und Erträge im Futterbau mühelos einzeln ausgewertet werden, doch erst in deren Vernetzung ergibt sich daraus ökonomisch und ökologisch ein Sinn. Aufwand und Leistung im Stall, auf dem Acker und Grünland werden digital „gegengerechnet“. 

Insellösungen sind, wie stets in der Informationstechnologie, nur die zweitbeste Lösung, sowohl für vermeintlich maßgeschneiderte Systemen im Einzelbetrieb, wie in der mangelnden Vernetzung von Regionen. Wiederum ein konkretes Beispiel: Was hindert Betriebe daran, sich miteinander im Ressourcenmanagement zu verbinden und gemeinsam den angestrebten Ertrag sowie den dazugehörigen Aufwand zu planen und realisieren. Sicher nicht die technologischen Voraussetzungen – die Systeme für Tierhaltung und Außenwirtschaft sind praxisreif. Ganz nebenbei präpariert das digitale Know-how die Landwirte für Diskussionen über den Umwelteinfluss der Landwirtschaft. 

Digital Animal Farming hat das Zeug, um agrarpolitische Vorgaben auf deren Praxistauglichkeit zu überprüfen. Das Prinzip der Düngeverordnung ist nichts anderes als die Umkehr der „Liebig-Tonne“. Hatte Justus von Liebig als Begründer der Agrarchemie im 19. Jahrhundert mit der nach ihm benannten Tonne das Minimum-Prinzip erklärt, so geht es heute anders herum. Bei der „Liebig-Tonne“ begrenzt der im Mangel vorhandene Faktor, dargestellt durch die kürzeste Daube der Tonne, den Ertrag. Durch die Dünge-Verordnung wird das Limit anhand des im Überschuss vorhandenen Nährstoffes, vielfach Phosphat (P) und in der öffentlichen Wahrnehmung meist Stickstoff (N), limitiert. 

Die pragmatischen Autoren des DLG-Merkblattes zur Düngeverordnung stellen klar: „Phosphat-reiche Kraftmittel beeinflussen direkt die P-Bilanz des Betriebes vor allem in der Schweine- und Geflügelhaltung. Zwar ist Raps-Extraktionsschrot als einheimisches, GVO-freies Futter sehr erwünscht, jedoch ist bezogen auf die Proteinzufuhr der P-Input deutlich höher als beim Sojaschrot. Rationen sollten daher auf die Betriebsverhältnisse angepasst werden. Phosphor ist in vielen, vor allem futterbauenden Betrieben mit hohem Grünlandanteil der limitierende Nährstoff.

Daraus lässt sich ableiten: Wenn Phosphat ein Problem ist, muss über die Quelle, Raps oder Soja, neu nachgedacht werden.  

Digital Animal Farming - Ressourcen gezielt managen

  • Kreislaufwirtschaft als rechtlicher Maßstab
  • Input und Output zuverlässig dokumentieren
  • Systemfehler erkennen und Strategien entwickeln
  • (Über-) betriebliche Vernetzung rechnet sich 
  • Know-how liefert klare Argumente für Debatten 

 

Digital Animal Farming hat das Zeug, um agrarpolitische Vorgaben auf deren Praxistauglichkeit zu überprüfen. (Foto: Landpixel.eu)