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Biosicherheit: Schlüssel zu gesunden Beständen und wirksamem Seuchenschutz

Biosicherheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor für eine gesunde, nachhaltige und wirtschaftliche Nutztierhaltung. Ob Schweine, Rinder oder Geflügel – konsequente Hygiene, wirksame Seuchenvorsorge, kontinuierliche Gesundheitsüberwachung und betriebsindividuelle Impfkonzepte tragen entscheidend dazu bei, Tierseuchen vorzubeugen und die Gesundheit der Bestände langfristig zu sichern. Neben einem guten Management spielen Stallhygiene, Zugangskontrollen, Früherkennung und moderne Präventionsmaßnahmen eine Schlüsselrolle. Das Fachprogramm der EuroTier 2026 greift diese Herausforderungen auf und widmet dem Thema Biosicherheit besondere Aufmerksamkeit. 

Die Anforderungen an die Nutztierhaltung steigen kontinuierlich: Tiergesundheit, Tierwohl und wirtschaftlicher Erfolg sind heute untrennbar mit einem konsequenten Management der Biosicherheit verbunden. Gleichzeitig stellen Tierseuchen wie ASP, MKS oder die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) die Betriebe vor große Herausforderungen. Für Schweine-, Rinder- und Geflügelhalter gilt daher gleichermaßen: Vorbeugung ist der wirksamste Schutz. Biosicherheit, Hygiene und betriebsindividuelle Impfkonzepte bilden die Grundlage, um Infektionsketten zu unterbrechen, Tiergesundheit zu erhalten und wirtschaftliche Schäden zu vermeiden.

Schweine: Tiergesundheit beginnt mit Prävention

Für schweinehaltende Betriebe besitzt die Verbesserung der Tiergesundheit höchste Priorität. Ein stabiler Gesundheitsstatus verbessert das Tierwohl, reduziert den personellen und wirtschaftlichen Aufwand und steigert die Leistungsfähigkeit der Bestände. Zu den wichtigsten Stellschrauben gehören ein optimiertes Stallklima und eine bedarfsgerechte Fütterung. Beide Maßnahmen fördern die Gesundheit der Tiere.

Eine zentrale Rolle spielt darüber hinaus die Biosicherheit. Vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bleibt sie eines der wichtigsten Innovationsfelder der Schweinehaltung. Die ASP hat strenge Biosicherheitsanforderungen, kontinuierliche Überwachung und im Seuchenfall Bestandsräumungen und Verbringungsverbote zur Folge – gerade kleinere Betriebe stehen dadurch vor erheblichen Herausforderungen. Zusätzliche Bedeutung gewann im letzten Jahr der MKS-Ausbruch. 

Wachsamkeit und konsequente Hygiene sind bei Seuchen wie ASP und MKS das Gebot der Stunde: saubere Schutzkleidung, regelmäßige Desinfektion von Händen, Schuhen, Fahrzeugen und Arbeitsgeräten, minimierte Betriebskontakte sowie das Führen eines Besucherbuchs. Auch technische Lösungen helfen. Fest installierte Befüllrohre ermöglichen die Befüllung von Futtersilos vom Außengelände aus, sodass Lieferfahrzeuge den Hofbereich nicht befahren müssen. Verdachtsfälle müssen unverzüglich gemeldet werden, um eine Einschleppung zu verhindern und die Ausbreitung einzudämmen.

Rinder: Biosicherheit schützt Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit

Auch in der Milchviehhaltung besitzt die Verbesserung der Tiergesundheit hohe Priorität. Obwohl im Rinderbereich zuletzt weniger größere Seuchenausbrüche auftraten als bei Schwein oder Geflügel, darf Biosicherheit keinesfalls unterschätzt werden – sie schützt grundsätzlich die Gesundheit des gesamten Bestandes.

Besondere Aufmerksamkeit gilt seit dem MKS-Ausbruch im Januar 2025 den Biosicherheitsmaßnahmen auf allen Betrieben mit Klauentieren: konsequente Stall- und Personalhygiene, Fahrzeugdesinfektion, Reduzierung unnötiger Betriebskontakte sowie digitale oder telefonische Abstimmungen anstelle persönlicher Besuche senken das Einschleppungsrisiko deutlich. Ebenso wichtig sind eine lückenlose Dokumentation und die sofortige Meldung von Verdachtsfällen. 

Geflügel: Biosicherheit entscheidet über den Bestandsschutz

Im Geflügelsektor besitzen Biosicherheit und Hygiene einen besonders hohen Stellenwert, wo von der hochpathogenen Aviären Influenza (Vogelgrippe) die größte Gefahr ausgeht. Seit Oktober 2025 wurden zahlreiche Ausbrüche in Geflügelbeständen weltweit sowie viele infizierte Wildvögel registriert. Die wichtigste Schutzmaßnahme bleibt hier die konsequente Umsetzung aller Biosicherheitsmaßnahmen, um Einschleppung und Verbreitung von Erregern zu verhindern.

Im Mittelpunkt steht die gründliche Reinigung und Desinfektion der Ställe während der Serviceperiode: Entfernung von Fett- und Eiweißschichten durch alkalische Reiniger, anschließende Desinfektion mit geprüften Mitteln sowie Tupfer- oder Abklatschproben zur Erfolgskontrolle. Ebenso wichtig ist konsequente Personalhygiene – Trennung von Schwarz- und Weißbereichen, Schuh- und Kleidungswechsel, Händewaschen und Besucherbücher gehören zum Standard. Betriebsfremde Fahrzeuge sollten das Gelände möglichst nicht befahren; müssen sie mehrere Betriebe anfahren, sind Reinigung und Desinfektion unverzichtbar. Wildvögel dürfen keinen Zugang zu Futter, Wasser oder Ausläufen erhalten, zudem spielen Schadnager- und Insektenbekämpfung eine wichtige Rolle. 

Entscheidend ist die Früherkennung: Plötzliche Tierverluste, Atemwegssymptome oder ein Rückgang der Legeleistung müssen unverzüglich gemeldet werden. Tägliche Kontrolle von Wasser- und Futteraufnahme sowie Stallrundgänge dienen als Frühwarnsystem.

Impfungen stärken die Immunabwehr

Neben der Biosicherheit bilden Impfungen eine zweite wichtige Präventionssäule, um die Immunabwehr zu stärken und Krankheitsausbrüche zu verhindern oder abzuschwächen. Im Geflügelbereich haben sich betriebsindividuelle Impfprogramme bewährt, die bereits in der Junghennenaufzucht beginnen. Gesetzlich vorgeschrieben sind Impfungen gegen die Newcastle-Krankheit sowie, je nach Bestandsgröße, gegen Salmonellen; weitere Impfungen sichern die Herdengesundheit langfristig. Da der Impfschutz mit zunehmender Haltungsdauer nachlassen kann und keine Impfung vollständigen Schutz garantiert, können Mehrfach- bzw. Wiederholungsimpfungen sinnvoll sein – stets in Abstimmung mit der betreuenden Tierarztpraxis. Bei Masthähnchen gehören Impfungen gegen die Newcastle-Krankheit ebenfalls zum Standard, ergänzt je nach Infektionsdruck durch Impfungen gegen infektiöse Bronchitis oder Gumboro. Konsequente Stallhygiene und professionelles Bestandsmanagement tragen zusätzlich zur Gesunderhaltung bei.

Auch für die Kälberaufzucht haben sich abgestimmte Impfkonzepte bewährt – Impfungen gegen Bronchopneumonie und Neugeborenen-Diarrhoe zählen zu den wichtigen Prophylaxemaßnahmen und sollten betriebsindividuell mit der Tierarztpraxis geplant werden.

Fazit

Biosicherheit ist heute weit mehr als die Einhaltung einzelner Hygieneregeln – sie umfasst alle Maßnahmen, die das Risiko der Einschleppung und Ausbreitung von Krankheitserregern minimieren. Für Schweine-, Rinder- und Geflügelbetriebe bilden konsequente Hygiene, wirksame Seuchenvorsorge, kontinuierliche Gesundheitsüberwachung und betriebsindividuelle Impfstrategien die Grundlage für gesunde Tierbestände. Wer Biosicherheit als festen Bestandteil des Betriebsmanagements versteht und umsetzt, stärkt Tiergesundheit, Tierwohl und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen und schafft die Voraussetzungen für eine nachhaltige Nutztierhaltung.

EuroTier 2026: Biosicherheit im Fokus

Das Fachprogramm der EuroTier 2026 rückt Biosicherheit als einen entscheidenden Erfolgsfaktor moderner Nutztierhaltung in den Mittelpunkt. Unter dem Leitthema „Intelligence in Animal Farming" greifen DLG-Expert Stages und DLG-Spotlights zentrale Zukunftsthemen auf, darunter auch die Biosicherheit. Die DLG-Expert Stage „Biosicherheit und Futtermittelsicherheit" bietet Fachvorträge und Diskussionsrunden zu aktuellen Herausforderungen und praxisnahen Lösungen – von modernen Hygienekonzepten über die Sicherung der Futterqualität bis hin zu innovativen Technologien für Management und Prophylaxe. Ergänzt wird das Angebot durch die tierartenspezifischen DLG-Expert Stages, auf der Fachleute aus Praxis, Wissenschaft, Industrie und Beratung aktuelle Entwicklungen und zukunftsorientierte Produktions- und Haltungskonzepte vorstellen.

Für Fachbesucherinnen und Fachbesucher bietet die EuroTier 2026 die Möglichkeit, sich kompakt über aktuelle Erkenntnisse und praxiserprobte Strategien zur Verbesserung der Biosicherheit zu informieren und diese direkt mit Expertinnen und Experten zu diskutieren. Vorträge, Podiumsdiskussionen, Live-Demonstrationen und Networking-Formate bieten in Hannover eine ideale Plattform, um Erfahrungen auszutauschen, neue Technologien kennenzulernen und konkrete Lösungen für den eigenen Betrieb zu bewerten.