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Intelligente Tierhaltung: Produktivität nachhaltig steigern

Steigende Kosten, Fachkräftemangel und wachsende Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit stellen die Tierhaltung vor Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Robotik neue Wege, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, Tiergesundheit zu überwachen und Ressourcen gezielter einzusetzen. Die EuroTier 2026 zeigt, wie intelligente und vernetzte Lösungen Produktivität, Tierwohl und Wirtschaftlichkeit zusammenführen können.

Gesunde und leistungsfähige Tiere sind die Grundlage eines wirtschaftlichen Betriebs. Sie verursachen weniger Verluste und Krankheiten, benötigen weniger Behandlungen und können ihre Leistung stabiler erbringen. Damit verbessert sich zugleich die Nutzung der eingesetzten Ressourcen.

Besonders deutlich zeigt sich dies in der Milchviehhaltung. Kühe haben einen vergleichsweise hohen Erhaltungsbedarf. Steigt die Milchleistung je Tier, verteilt sich dieser Bedarf auf eine größere produzierte Milchmenge. Dadurch sinken auch die auf das Kilogramm Milch bezogenen CO₂-Äquivalente. Höhere Leistung und Ressourceneffizienz können somit miteinander verbunden werden.

Eine nachhaltige Leistungssteigerung entsteht allerdings nicht durch eine einfache Erhöhung der Kraftfuttergabe. Entscheidend sind eine wiederkäuergerechte, gleichbleibende Fütterung mit hochwertigen Komponenten und eine homogene Ration. Das unterstützt Versorgung, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit der Tiere.

Auch in der Schweinehaltung steht die Tiergesundheit im Mittelpunkt. Frühzeitige Krankheitserkennung, kontinuierliche Überwachung und sehr gutes Herdenmanagement können Verluste reduzieren, den Aufwand senken und die biologische Leistung stabilisieren.

Digitalisierung schafft neue Effizienzpotenziale

Sensoren, Kameras und digitale Herdenmanagementprogramme ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung der Tiere und unterstützen die tägliche Betriebsführung. Automatische Systeme zur Gesundheits-, Aktivitäts- und Verhaltensüberwachung können Veränderungen erkennen, die dem Menschen möglicherweise erst später auffallen.

Besonders groß ist das Potenzial, wenn verschiedene Systeme miteinander vernetzt werden. Werden Sensor- und Kameradaten mit Herdenmanagementprogrammen zusammengeführt, entstehen aktuelle Entscheidungshilfen für die Betriebsleitung. Entscheidungen können dadurch kontinuierlich datenbasiert getroffen werden, anstatt Entwicklungen erst im Nachhinein zu analysieren.

KI als Produktivitätstreiber

Künstliche Intelligenz erweitert die Möglichkeiten digitaler Systeme. Sie kann große Datenmengen analysieren, Muster erkennen und Veränderungen frühzeitig sichtbar machen. Besonderes Potenzial besteht bei der Früherkennung von Krankheiten. Da der Tierhalter nicht rund um die Uhr im Stall sein kann, können KI-Systeme Sensor- und Bilddaten kontinuierlich auswerten. Veränderungen bei Bewegung, Fressverhalten oder Aktivität lassen sich erkennen, auch wenn niemand vor Ort ist. Kameras und KI-gestützte Videoanalysen können beispielsweise das Bewegungsverhalten der Tiere auswerten und Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand geben.

Weitere Einsatzmöglichkeiten liegen in der Fütterung und im Melkmanagement. Daten zu Gewicht, Alter, Milchleistung und Gesundheitszustand können genutzt werden, um maßgeschneiderte Futterpläne zu erstellen. Bei automatisierten Melksystemen lassen sich Informationen zu Milchmenge, Milchqualität und Eutergesundheit kontinuierlich auswerten.

Ein weiteres Zukunftsfeld ist das KI-basierte Datenmanagement. Auf Betrieben entstehen große Datenmengen in unterschiedlichen Systemen. Werden diese Informationen zusammengeführt und intelligent ausgewertet, können sie Managemententscheidungen, Produktionsplanung und Prozessoptimierung unterstützen. Langfristig könnten autonome Systeme den gesamten Betrieb überwachen und in Echtzeit Entscheidungen von der Fütterung bis zur Gesundheitsüberwachung treffen.

Robotik entlastet Mensch und Betrieb

Robotergestützte Automatisierung übernimmt zunehmend wiederkehrende Tätigkeiten wie Melken, Füttern und Entmisten. Dadurch werden Arbeitskräfte entlastet und Freiräume für andere wichtige Aufgaben geschaffen. Ein wesentlicher Treiber ist dabei aber auch der Fachkräftemangel. Automatische Melksysteme übernehmen beispielsweise einen erheblichen Teil der täglichen Routinearbeit und reduzieren die Abhängigkeit von qualifiziertem Personal. Gleichzeitig erfassen sie Daten zu Milchmenge, Milchqualität und Tierverhalten, die für das Herdenmanagement genutzt werden können.

Auch die automatisierte Spalten- und Laufflächenreinigung bietet Vorteile. Häufigere Reinigungsintervalle können positive Effekte auf Klauen- und Eutergesundheit sowie Eutersauberkeit haben. Gleichzeitig sinkt der Arbeitsaufwand. Die gewonnene Zeit kann für eine intensivere Tierbeobachtung genutzt werden.

Nicht jede Automatisierungslösung ist jedoch automatisch wirtschaftlich überlegen. Bei der Fütterung setzen viele Milchviehbetriebe weiterhin auf klassische Futtermischwagen. Denn automatische Systeme sind deutlich teurer, benötigen teilweise spezielle Stallsysteme und lassen sich später nur schwer umrüsten. Investitionen müssen daher immer zu den betrieblichen Bedingungen passen.

Tierwohl und Produktivität gemeinsam denken

Tierwohl und Produktivitätssteigerung sind keine grundsätzlichen Gegensätze. Gesunde Tiere sind leistungsfähiger, verwerten Futter besser und verursachen weniger Verluste. Verbesserungen bei Tiergesundheit, Fütterung, Stallklima und Tierbeobachtung können deshalb gleichzeitig das Tierwohl und die Wirtschaftlichkeit fördern.

Erfahrungen mit der Haltungsform 2 der Initiative Tierwohl zeigen, dass mehr Platz und organisches Beschäftigungsmaterial mit einer höheren Leistung der Tiere verbunden sein können. Gleichzeitig bestehen Grenzen: Bei weitergehenden Haltungsformen, insbesondere bei Ställen mit Auslauf, kann ein Produktivitätsrückgang entstehen, der wirtschaftlich nicht immer ausgeglichen werden kann.

Entscheidend ist daher die richtige Balance zwischen Tierwohl, biologischer Leistung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Nachhaltige Produktivitätssteigerung bedeutet nicht maximale Leistung um jeden Preis, sondern eine ausgewogene Entwicklung.

Ganzheitliche Konzepte für die Zukunft

Die zunehmenden Anforderungen machen eine isolierte Betrachtung einzelner Maßnahmen immer schwieriger. Gefragt sind gesamtbetriebliche Haltungskonzepte, in denen bauliche, technische und organisatorische Entscheidungen zusammenpassen.

Sensoren und Kameras verbessern die Tierbeobachtung, KI unterstützt die Auswertung, Roboter übernehmen Routinearbeiten und Managementsysteme führen Informationen zusammen. Ihren größten Nutzen entfalten diese Technologien, wenn sie miteinander vernetzt sind und konkrete betriebliche Probleme lösen.

Die Zukunft der Tierhaltung liegt damit nicht in einer einzelnen Technologie. Entscheidend ist das Zusammenspiel von gesunden Tieren, effizienter Fütterung, gutem Herdenmanagement, optimierter Arbeitsorganisation und passenden technischen Lösungen.

EuroTier 2026: Innovationen für die Tierhaltung

Die EuroTier 2026 stellt unter dem Leitthema „Intelligence in Animal Farming“ moderne Technologien für eine nachhaltige Produktivitätssteigerung in der Tierhaltung in den Mittelpunkt. Im Fokus stehen intelligente, vernetzte Gesamtsysteme aus Stall-, Fütterungs-, Melk-, Gülle- und Logistiktechnik sowie Robotik, Sensorik, Künstlicher Intelligenz, Big Data und digitalen Plattformen. Ziel ist es, Effizienz, Produktivität, Tierwohl und Nachhaltigkeit wirtschaftlich miteinander zu verbinden.

Für Fachbesucherinnen und -besucher bietet die Weltleitmesse einen Überblick über marktreife Innovationen und zukunftsweisende Technologien. Im DLG-Spotlight „Barn Robot Event“ werden automatische Melksysteme in moderierten Live-Demonstrationen gezeigt. Besucherinnen und Besucher erhalten Einblicke in Umbaulösungen, Neubaukonzepte und den Robotikeinsatz in großen Herden. Zudem wird gezeigt, wie Automatisierungs- und KI-Lösungen in bestehende Betriebsstrukturen integriert werden können, Arbeitsabläufe erleichtern und Fachkräfte entlasten. Die EuroTier 2026 liefert damit praxisnahe Entscheidungsgrundlagen für Investitionen und die zukunftsfähige Weiterentwicklung von Tierhaltungsbetrieben.