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Emissionsminderung in der Schweine- und Geflügelhaltung

Die Emissionsminderung in der Schweine- und Geflügelhaltung spielt eine zentrale Rolle für Tierwohl, Klimaschutz und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Die Weiterentwicklung emissionsarmer Stallkonzepte ist hierbei ein dynamisches Feld. Die EuroTier 2026 bietet einen Überblick über aktuelle Entwicklungen. Das DLG-Spotlight Emissionsminderung wird in Hannover praxisbewährte und noch in der Erprobung begriffene Maßnahmen für die Schweine- und Geflügelhaltung zeigen und das Thema durch Fachvorträge auf den beiden DLG-Expert Stages Schwein und Geflügel ergänzen.

Die Anforderungen an den Emissionsschutz in der Nutztierhaltung sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Mittelpunkt stehen vor allem Ammoniak- und Treibhausgasemissionen, aber auch Geruchs- und Staubemissionen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies, Produktionsverfahren stärker unter Umweltgesichtspunkten zu optimieren. Gleichzeitig müssen technische Lösungen praxistauglich, wirtschaftlich und zuverlässig sein. Emissionsminderung ist daher kein Einzelthema mehr, sondern Bestandteil eines ganzheitlichen Betriebsmanagements.

Rechtliche Rahmenbedingungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Mit der Novellierung der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft), die seit Dezember 2021 gilt, wurden die Anforderungen an genehmigungspflichtige Tierhaltungsanlagen verschärft. Betriebe müssen seither die Nährstoffausscheidungen ihrer Tiere nachvollziehbar erfassen und mit den in der TA Luft festgelegten Grenzwerten vergleichen. Zielgrößen sind unter anderem eine Reduktion des Stickstoffgehalts der Gülle in der Schweinehaltung um etwa 20 Prozent sowie eine Verringerung des Stickstoffgehalts im Geflügeltrockenkot um rund 10 Prozent. Daraus resultiert eine entsprechende Senkung der Ammoniak-Emissionen.

Als Orientierung für geeignete Verfahren dienen die sogenannten Best Verfügbaren Techniken (BVT). Darunter versteht man Technologien und Managementmaßnahmen, die ein hohes Umweltschutzniveau erreichen und gleichzeitig technisch sowie wirtschaftlich umsetzbar sind. BVT umfassen nicht nur einzelne technische Einrichtungen, sondern kombinieren stallbauliche Lösungen, Fütterungsstrategien, technische Minderungsmaßnahmen sowie organisatorisches Management. Für landwirtschaftliche Betriebe entsteht damit ein Maßnahmenbaukasten, aus dem je nach Betriebsstruktur passende Lösungen kombiniert werden können.

Emissionsminderung in der Schweinehaltung

Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zur Emissionsminderung in der Schweinehaltung beginnt bereits bei der Fütterung. Ziel ist es, die Ausscheidung vor allem von Stickstoff (Harnstoff) zu reduzieren, um die Entstehung von Ammoniak schon im Stall zu begrenzen. Grundlage dafür ist eine möglichst bedarfsgerechte Versorgung der Tiere mit Aminosäuren. N- und P-reduzierte Fütterungsverfahren sind anerkannte BVT und können die Ammoniakfreisetzung maßgeblich senken.

Stalltechnik und Managementmaßnahmen

Neben der Fütterung sind stalltechnische Maßnahmen entscheidend für die Emissionsminderung. Ammoniak entsteht vor allem dann, wenn Kot und Harn zusammentreffen und längere Zeit auf Stalloberflächen verbleiben. Ziel moderner Stallkonzepte ist, den mikrobiellen Prozess der Ammoniakentstehung möglichst frühzeitig zu unterbrechen.

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Einteilung der Buchten in Funktionsbereiche. Durch eine klare Trennung von Liege-, Aktivitäts- und Kotbereichen können die Tiere gezielt dazu gelenkt werden, ihre Ausscheidungen in einem begrenzten Bereich abzusetzen. Dadurch verringert sich die Fläche, auf der Emissionen entstehen. Besonders in Außenklima- und Tierwohlställen mit eingestreuten Bereichen spielt eine solche Strukturierung eine wichtige Rolle.

Gülleführung, -kühlung und Kot-Harn-Trennung

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Reduzierung der emittierenden Oberflächen im Güllekanal durch den Einbau schräger Wände, beispielsweise durch V-förmige Wannen aus Kunststoff. Dadurch wird der Querschnitt des Güllekanals verkleinert. Verbunden wird dies häufig mit Maßnahmen zum schnellen Abtransport der Exkremente aus dem Stall. Je kürzer deren Verweildauer im Stall, desto geringer ist die Ammoniakfreisetzung.

Große Emissionsminderungspotenziale liegen dabei in der frühzeitigen Trennung von Kot und Harn, um vor allem den Harn schnell aus dem Stall zu transportieren und bestenfalls getrennt zu lagern. Dadurch kann die Ammoniakbildung deutlich reduziert werden. Technisch wird dies durch eine Unterflurschieber-Entmistung mit Harnrinne und/oder Förderbandsysteme umgesetzt, die den Kot regelmäßig aus dem Stallbereich entfernen. In einigen Konzepten werden Kotförderbänder mit zwischenliegenden Harnwannen kombiniert, die regelmäßig gespült werden. 

Die Temperatur der Gülle beeinflusst maßgeblich die mikrobiellen Prozesse, die zur Ammoniakbildung führen. Durch eine gezielte Kühlung der Gülle lassen sich diese Prozesse deutlich verlangsamen. Technisch kann dies über Kühlrohre im Boden des Güllekanals erfolgen, durch die kaltes Wasser zirkuliert oder durch schwimmende Wärmetauscher-Lamellen unter dem Spaltenboden. Durch die Absenkung der Gülletemperatur auf unter 15 Grad Celsius lassen sich Emissionen spürbar reduzieren. 

Abluftreinigung und weitere Verfahren

In größeren zwangsbelüfteten Anlagen sind Abluftreinigungsanlagen heute ein wichtiger Bestandteil des Emissionsschutzes. Diese Systeme filtern Schadstoffe aus der Stallluft und können Ammoniak- sowie Staubemissionen um mindestens 70 Prozent reduzieren. Gleichzeitig werden Geruchsemissionen deutlich verringert. Für große Anlagen sind Abluftreinigungsanlagen nach BImSchG verpflichtend.

Neben den beschriebenen Maßnahmen werden verschiedene zusätzliche Verfahren erprobt. Dazu gehört beispielsweise die Ansäuerung der Gülle. Durch einen niedrigeren pH-Wert liegt Stickstoff überwiegend als Ammonium vor und kann nicht als Ammoniak ausgasen. Studien zeigen Emissionsminderungen von über 60 Prozent, allerdings sind bauliche Anpassungen und Korrosionsschutzmaßnahmen erforderlich.

Noch in der Versuchsphase befinden sich sogenannte Urease-Inhibitoren. Sie hemmen das Enzym Urease, das für die Umwandlung von Harnstoff in Ammoniak verantwortlich ist. Erste Untersuchungen im Rahmen des Projektes EmiMin (Emissionsminderung Nutztierhaltung) des KTBL zeigen vielversprechende Ergebnisse, allerdings müssen Anwendung und Zulassung noch weiter geprüft werden.

Emissionsminderung in der Geflügelhaltung

Auch in der Geflügelhaltung entstehen Ammoniakemissionen vor allem durch mikrobiologische Abbauprozesse im Kot beziehungsweise in der Einstreu. Entsprechend konzentrieren sich viele Maßnahmen auf ein optimiertes Einstreu- und Stallklimamanagement.

Beispielsweise kann der Einstreu ein pH-Wert senkendes Additiv zugesetzt werden. Durch eine starke Absenkung des pH in der Einstreu bis etwa pH 2 wird das mikrobielle Wachstum gehemmt und Ammoniak in der Mistauflage chemisch als Ammoniumsulfat gebunden.

Weitere Maßnahmen

Auch in der Geflügelhaltung spielt die Fütterung eine bedeutende Rolle bei der Emissionsminderung. Eine N-/P-reduzierte Fütterung gilt hier ebenfalls als BVT-Maßnahme. Die gezielte Senkung des Rohproteingehalts bei gleichzeitig ausgewogener Aminosäurenversorgung gilt als effektive Strategie. Nach den Vorgaben der TA Luft kann bei nachgewiesener N-reduzierter Fütterung eine Ammoniakminderung von etwa zehn Prozent angesetzt werden.

Für größere Geflügelhaltungen mit mehr als 40.000 Tierplätzen sind Abluftreinigungsanlagen nach BImSchG verpflichtend. Diese Systeme erreichen – ähnlich wie in der Schweinehaltung – Emissionsminderungen von mindestens 70 Prozent für Ammoniak und Staub bei gleichzeitiger Geruchsminderung.

DLG-Spotlight und -Expert Stages auf der EuroTier 2026

Auf der EuroTier 2026 zeigt das DLG-Spotlight Emissionsminderung praxisnahe Lösungen, wie sich moderne Tierhaltung und Umweltschutz miteinander vereinbaren lassen. Aussteller präsentieren innovative Verfahren und Technologien zur Reduktion von Emissionen in der Schweine- und Geflügelhaltung und geben damit Landwirtinnen und Landwirten konkrete Ansätze zur Weiterentwicklung ihrer Betriebe an die Hand. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass wirksame Emissionsminderung nicht durch eine einzelne Maßnahme erreicht wird, sondern durch einen abgestimmten Maßnahmenmix aus Technik, Management und Fütterung.

Besuchende erhalten einen kompakten Überblick über aktuelle Entwicklungen, Best-Practice-Beispiele und zukünftige Lösungswege für eine umwelt- und ressourcenschonende Produktion. Zu sehen sind unter anderem Demonstratoren moderner Stalltechnik, etwa für Güllekanäle, Abluftreinigung oder Futter- und Einstreuzusätze. Ergänzt wird dies durch Praxisbeispiele aus der Schweine- und Geflügelhaltung, die zeigen, wie Fütterungs- und Managementmaßnahmen Emissionen reduzieren können. Zudem geben Innovationen aus Forschung und Entwicklung Einblicke in neue, verfahrensintegrierte Ansätze. Fachvorträge zu Themen wie TA Luft, BVT, Fütterungsstrategien und emissionsoptimierten Stallkonzepten vertiefen die Inhalte.

Inhaltlich ergänzt wird das Spotlight durch zwei tierartspezifische Bühnenformate: die DLG-Expert Stage Schwein und die DLG-Expert Stage Geflügel. Auf der DLG-Expert Stage Schwein diskutieren Aussteller gemeinsam mit Fachleuten aus Praxis, Wissenschaft und Beratung, wie Tierwohl, Fütterung und Emissionsminderung wirtschaftlich tragfähig werden können. Die DLG-Expert Stage Geflügel widmet sich den besonderen Anforderungen der Geflügelhaltung, etwa in den Bereichen Hygiene, Tierwohl, Fütterung und Umweltwirkung, und beleuchtet aktuelle Produktionskonzepte, innovative Haltungsansätze sowie Zukunftstrends für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Geflügelwirtschaft.